Europa-Jugendtag 2009

Neuapostolische Kirche - 21. bis 24. Mai 2009 in DŘsseldorf

Bericht vom 04.06.2007

Interview mit Logo-Designer Ralf Heller



"Engel" - so hei├čt die im EJT-Logo verwendet Schrift

Ein Kreuz in Orange, das in den Himmel zu ragen scheint - das ist das Markenzeichen des Europa-Jugendtags 2009. Mal erscheint es mit dem Hinweis auf das Datum des Mega-Events, mal mit der Unterzeile "Neuapostolische Kirche", damit Außenstehende wissen, wer hinter dem EJT steckt. Entworfen wurde das einprägsame Signet vom Designer Ralf Heller. Ein Gespräch mit ihm über Kreuze, Kreise und Einkaufsstraßen.

Wie bist du auf die Idee für das EJT-Logo gekommen? Durch intensives Grübeln oder spontane Eingebung?

Ein Logo ist selten ein Spontaneinfall, vielmehr eine Entwicklung und Ausarbeitung von Ideenansätzen. Für das EJT-Logo habe ich versucht, zunächst ein paar grundlegende inhaltliche Punkte festzulegen und erst danach bin ich an die grafische Umsetzung gegangen. Ich wollte zum Beispiel dem Grundgedanken eines Logos folgen und ohne Schrift auskommen. Und ich wollte auch auf das Kreuz als Symbol verzichten. Aber beides funktionierte nicht. Denn ich brauchte einen Einfall, der die Themen Europa, Jugend und Kirche zusammenbringt. So kam mir die Idee, etwas zu erfinden, das eine Verbindung zeigt - eine Verbindung zwischen dem Hier und Jetzt, also unserer Welt, und dem Himmel, wie auch immer man sich den vorstellen mag. Und dieser Grundgedanke findet sich nun im Logo wieder: Das Kreuz - auf das ich mich dann doch eingelassen habe, weil man Jesus Christus einfach nicht anders darstellen kann - erscheint nicht symmetrisch und gerade, sondern leicht schräg, damit man einen Eindruck von der Perspektive bekommt. Denn darum geht es ja: um den Blick nach oben, die Verbindung nach oben.

Europa darzustellen ist schon weitaus schwieriger. Nur grafisch, mit Landkarte, das funktioniert nicht. Ich habe mich schließlich aus zwei Gründen für Kreise entschieden, die dem Kreuz eine Art Rahmen geben. Zum einen will ich mit ihnen die "Community Europa" darstellen. Symbolisiert werden soll also nicht die Weltkugel, sondern einfach ein Kreis von Leuten. Deshalb sind die Kreise auch nicht geschlossen: nach oben unterbricht das Kreuz die Linien und nach unten sind sie asymmetrisch geöffnet. Der zweite Gedanke hinter den Kreisen ist die Erhabenheit des Kreuzes, die ich damit unterstreichen wollte.

Dass ich auf Schrift im Logo nicht verzichten konnte, lag letztlich daran, dass ein Datum oder ein Motto nicht in einem Symbol aufgeschlüsselt werden kann, dies aber in der Vorgabe des Briefings stand. Darum habe ich die Schrift als Störer praktisch über das Logo "laufen" lassen. Bei der Suche nach einer passenden Schrift für das Logo bin ich dann recht schnell auf die Schrift Engel gekommen. Die Schriftdesignerin aus Dänemark hat mit der Engel eine meiner Lieblingsschriften kreiert und der Name war dann ein netter Zufall für dieses Projekt.

Spielte in deinen Überlegungen das Corporate Design der Neuapostolischen Kirche, vor allem das Logo, eine Rolle?

Ja, anfangs schon. Denn man will mit einem Logo natürlich seine Auftraggeber überzeugen. Aber mir war sehr schnell klar, dass es nur zwei Möglichkeiten gab: Entweder ich adaptiere lediglich das NAK-Logo für den EJT oder ich mache etwas ganz anderes. Und dann habe ich mich gefragt, wie ich das sehen würde, wenn ich noch Jugendlicher wäre. Dann hätte ich eigentlich nicht das "Unternehmenslogo", also das NAK-Logo einfach nur in einer anderen Farbe oder mit einem anderen Symbol sehen wollen. Das wäre mir zu langweilig gewesen. Deshalb fand ich es nahe liegend, etwas anderes zu gestalten, etwas Fröhliches, Freudiges. Und da sind wir dann beim Thema Farbe. Ich wollte das Orange haben, weil es zum einen Signalwirkung hat und weil es zum anderen genau diese positiven Gefühlen transportiert.

Aber dennoch kommt auch Blau im Logo vor - womit die Assoziation zur NAK wieder gegeben wäre?

Ja, aber das Blau habe ich nicht benutzt um einen Bezug zur Kirche herzustellen. Das könnte man zwar jetzt schön sagen, aber so war es nicht. Das Blau habe ich genommen, weil diese Farbe für mich auch etwas mit Leben zu tun hat. Wasser ist Leben. Daher kam bei mir der Gedanke des Blaus.

Woran kann man eigentlich ganz allgemein gute von schlechten Logos unterscheiden?

Alles, was mit optischer Wahrnehmung zu tun hat, ist natürlich eine Geschmacksfrage. Wobei das ästhetische Empfinden des Einzelnen gar nicht nur eine persönliche Sache ist, sondern durchaus auch durch kulturelle und soziale Prägung und Wertvorstellungen gebildet wird. Der gute Logodesigner wird dem immer Rechnung tragen müssen.

Es gibt ein paar grundlegende Aufgaben, die ein Logo leisten sollte: Ein Logo muss die Funktion, für die es geschaffen wird erfüllen bzw. transportieren, einprägsam sein und sich von anderen Logos unterscheiden; also in einer gewissen Art einzigartig sein.

Persönlich mag ich es, wenn Logos nicht unbedingt auf den ersten Blick ganz zu verstehen sind. Ich empfinde es als spannend, wenn man etwas erst auf den zweiten Blick entdecken kann. Und, natürlich Logos, die aufgrund ihrer Gestaltung das Auge irritieren, sind klasse.

Ein Logo ist kein Wort und kein Text und sollte daher ohne Schrift auskommen. Das war beim EJT-Logo leider nicht möglich, weil einfach zu viele Informationen transportiert werden mussten. Aber das EJT-Logo würde auch durchaus ohne die Schrift funktionieren. Das heißt, wenn Motto, Datum oder andere Informationen, die eigentlich mit einem Logo nichts zu tun haben, weggelassen würden, wäre das Logo einsetzbar und würde etwas transportieren. Es wäre ein Zeichen für eine lebendige, erhabene und fröhliche Veranstaltung einer Glaubensgemeinschaft von Christen. Was es ohne Schrift ganz klar nicht kann, ist, kirchen- oder themenspezifische Inhalte vermitteln. Dazu ist es aber auch nicht da.

Gibt es ein bekanntes Logo, das du besonders bewunderst?

Da fällt mir das Logo der Deutschen Bank ein. Völlig reduziert, klar und einfach. Eine diagonale Linie die für Wachstum oder positive Entwicklung steht. Und nicht zu vergessen, das wunderbare Tui-Logo, zu dem man nichts weiter zu sagen braucht.

Weniger genial ist das, was einem optisch begegnet, wenn man durch eine der zahllosen Einkaufsstraßen dieser Republik spaziert. Viele Geschäftsdesigns scheinen mit der heimischen Textverarbeitung gebastelt und vom Copyshop um die Ecke produziert worden zu sein. Vom falschen Deutsch mal ganz zu schweigen. Schmerzen solche Sinneseindrücke den Fachmann?

Es ist schön, dass jeder selbst kreativ tätig werden kann und damit auch naheliegend, das beim eigenen Laden oder Geschäft einzusetzen. Womit die kreative Branche allerdings zu kämpfen hat, sind Kunden, die die professionelle kreative Leistung nicht wertschätzen. Es gibt einfach zuviele Personen, die zu Niedrigpreisen eine angeblich professionelle Dienstleistung anbieten und Kunden, denen das Angebotene genügt. Aber glücklicherweise hat kreative Arbeit nicht nur etwas mit Gestaltung oder Design zu tun, sondern auch mit Ideen. Und gute Ideen überzeugen letztlich dann doch.

Ralf Heller (32), ist, als "DerSetzer", Geschäftsführer der Kreativ-Agentur Nuisol & Nuilani in Offenbach am Main und widmet sich neben der klassischen Werbung und Entwicklungen von Corporate Identities vor allem dem Online-Geschäft mit Screen Design und Konzeption für Websites und Internetportale.

Text: Thorsten Gabriel